Parki, Bergfuzzi & Höhli

Am Berg und im Berg

Einen Berg raufzukraxeln, das geht noch immer, ganz gut. Dort Löcher zu suchen und in diese reinkriechen oder in einen Schacht abseilen, das geht auch noch. Natürlich angepasst an meinen Ist-Zustand und nicht mehr als aktiver Forscher, denn dazu sollte man wirklich topfit sein, sondern eher als ambitionierter Höhlentourist.

Wie’s geht und was wann zu tun ist, das hab ich ja nicht vergessen. Jetzt ist es halt so, dass ich nicht mehr den Leithammel mache und auch keine 30 kg schweren Säcke schleppe. Das überlasse ich denen, die topfit sind und auf die ich mich im in jeder Hinsicht verlassen kann. Das funktionierte bisher ganz gut. Meine Kameraden sind alles Profis und wissen über meinen Gesamtzustand bestens Bescheid. Ohne meine jahrelange Berg- und Höhlenerfahrung wäre der ganze Spaß wahrscheinlich nicht machbar, da ich ein ganz gewöhnlicher Parkinson Patient bin, ohne irgend welche Superfunktionen. Das heißt, genau dann wenn du es absolut nicht brauchen kannst, macht sich eine dieser Macken wichtig.

Für mich persönlich stellt die Fortbewegung im freien Gelände oftmals die größere Herausforderung dar, als die in der Höhle. Was ich früher als hohe Außentemperatur empfand, ist jetzt extrem heiß. Seit ich Medikamente nehme bin ich extrem wärmeempfindlich. Strahlender Sonnenschein und 25°C können, wenn’s ganz blöd hergeht, mein k.o. bewirken. Aber auch meine „Lieblingsmacke“, Freezing, kann einem ganz ordentlich reinschei***.

Mein Körper entscheidet bereits beim Zustieg, ob ich an einer Höhlentour überhaupt teilnehmen kann. Zum Glück zeigt sich das rechtzeitig und ich brauch‘ erst gar nicht überlegen, ob ich in Loch mitkomme oder nicht. Diese Entscheidung meines Körpers lautet, Regenerations Nickerchen vor der Höhle. Diese Entscheidung zu ignorieren wäre mehr als nur dämlich, denn schließlich ist auch noch den Rückweg zu bewältigen.

Zu 90% funktioniert mein gesamtes System auch beim Zustieg und ich kann das machen, weshalb ich einen Berg raufhatsche, nämlich in eine Höhle gehen. Da drinnen funktioniere ich erstaunlicher Weise wesentlich besser, als am Berg und manchmal sogar so gut, dass man meinen könnte, ich wäre pumperlg’sund.

Es scheint zu stimmen, ich muss wohl ein Höhlenmensch sein ... 

Andy aka ParkinsonCaver

Ein Parkinson Patient als Höhlenretter, geht das?

Ja, es geht!

Natürlich kann ich nicht mehr an vorderster Front arbeiten, denn dazu bedarf es einer perfekten körperlichen Verfassung und mentaler Stärke in allen Situationen. Meine Erfahrungen nütze ich heute als Mitarbeiter in der Einsatzleitung und im Schulungsteam.

Mal sehen, wie’s weitergehen wird (Stand, August 2017) …

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