Parki, Freeride & Downhill

Mountainbiken

Das war schon immer meine Lieblingsbeschäftigung. Da ist man mehr oder weniger nicht auf Witterungsverhältnisse angewiesen und auch der Gesamtzeitaufwand ist nicht so extrem groß, wie zum Beispiel beim Windsurfen, wo bereits sehr viel Zeit für die Anreise zum See draufgeht. Beim Mountainbiken heißt’s rauf auf’n Bock, zum Trail hinstrampeln und Spaß haben so lange die Kraft reicht.

Plötzlich fehlte jegliche Motivation

In den letzten Jahren konnte man mich im Wald wesentlich häufiger antreffen als auf dem Wasser oder auf einer Piste. Daher war ich auch ziemlich deprimiert, als ich von Antriebslosigkeit geplagt wurde und ich mich nichteinmal mehr aufraffen konnte, mein Bike zu schnappen und Spaß zu haben. Zwischen Ende 2014 bis Sommer 2016 war ich mit dem Bike weniger unterwegs, als sonst in einem Monat.

Irgendwas stimmte nicht

Wenn ich dann doch wieder mal meinen Downhiller unter meinem Hintern hatte, war auch der Spaß wieder da. Aber irgendwie passte da was nicht.
Mir ging ziemlich schnell die Kraft aus. Dafür gab’s aber eine plausible Erklärung, wer nix tut, kann auch keine Kondition haben. Bergauf war ich natürlich noch langsamer unterwegs als sonst. Der Grund hierfür war mir natürlich auch klar. Wofür ich aber keine plausible Erklärung finden konnte, war die Tatsache, dass ich mit meinem Gleichgewichtsgefühl auf Kriegsfuß stand (je langsamer, desto unsicherer). Selbstverständlich wusste ich, dass man bloß ein Bein vom Pedal nehmen und es am Boden platzieren sollte, um nicht umzufallen, wenn der Bock zum Stillstand kommt. Aber irgendwie war da eine Blockade. Ich wollte, aber es funktionierte nicht und ich bin doch tatsächlich im Stillsand umgefallen, mit beiden Beinen auf den Pedalen. Das war mir nicht nur sehr peinlich, sondern damals auch noch äußerst unerklärlich. Heute weiß ich, es handelt sich dabei um eine Parkinson Macke!

Dieser Umfaller versetzte mich in leichte Unsicherheit, wegen der folgenden Downhill Passage. Ziemlich respektvoll eierte ich in diese Passage rein, ließ die Bremsen aber zum Glück rechtzeitig los und fuhr da runter, als ob nie etwas gewesen wäre. Jedesmal wenn ich zu respektvoll wurde und mich zu sehr einbremste kamen diese Gleichgewichtsstörungen zum Vorschein. Es war unübersehbar, mit abnehmender Geschwindigkeit stieg die Reaktionszeit.

Damals konnte ich mir das alles nicht erklären. Mein Fahrverhalten insgesamt und die Tatsache, die ich damals aber verschwiegen hatte und zu verheimlichen versuchte (was wahrscheinlich eh nicht funktionierte), dass meine Beine zeitweise nicht auf Gehirnbefehle reagierten, beunruhigte mich derart, dass ich freiwillig in eine spezifische Parkinson Untersuchung einwilligte. An Burnout- und Depressions Symptome, wegen denen ich in Behandlung war, wollte und konnte ich nicht mehr glauben.

Geht nicht, gibt’s nicht

Nachdem eindeutig feststand, dass ich Morbus Parkinson habe und mir auch bewusst war, dass ich es bereits seit mindestens 2 Jahren vor der Diagnose hatte, gelangte ich zu dem Schluss, Mountainbiken ist auch mit Parkinson möglich!

So ist es auch! Ich habe viel recherchiert und dabei erfahren, dass es Parkinson Patienten gibt, die mehr oder weniger nicht mehr gehen können (mit Krücken oder Rollator), aber kilometerweit mit dem Rad fahren, ohne dabei ernsthafte Probleme zu haben. Die Radlerei spielt sich in einem anderen Gehirnteil ab, oder so irgendwie in der Art. Ist mir genau genommen auch egal, was da jetzt der Grund dafür ist, Hauptsache es funktioniert!

Mt diesen neuen Kenntnissen ausgestattet, stellte sich auch wieder die entsprechende Motivation ein. Meinem Grundsatz, ganz oder gar nicht, wollte ich treu bleiben. Es kam mir also nicht in den Sinn nur noch auf ebenen Feldwegen herumzugurken. Nein, ich wollte raus in den Wald, auf Downhill Trails fahren und auch mal ins Gebirge zum Trailriden. Natürlich musste ich mich auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sich dieses Vorhaben eventuell doch nicht so verwirklichen ließe, wie ich mir das vorstellte.

Rauf auf’s Bike und schau’ma mal…

Mitte Juli 2016 unternahm ich gemeinsam mit meiner sehr geduldigen Lebensgefährtin die ersten Testfahrten in einem Steinbruch, die erstaunlich gut verliefen. Beflügelt durch dieses Erfolgserlebnis ging’s dann gleich mal in einen Bike Park, wo ich mir natürlich nicht sofort die schwierigsten Trails aussuchte. Auch hier hatte ich keine fahrtechnischen Probleme. In den folgenden Wochen wurden die beiden Hometrails in Weidlingbach quasi zu meinem Trainingsrevier.  Bis Ende September 2016 folgten noch einige sehr schöne Biketage. Downhillbiken mit der entsprechenden Anpassung funktioniert also auch mit Parkinson.

Beeinträchtigt wird das Ganze nur dann wenn eine dieser typischen Parkinson Macken in Erscheinung tritt. Zwei Meter Breite, können plötzlich zur gefühlten Engstelle werden, was bereits mehrmals problemlos gefahren wurde, erscheint plötzlich unfahrbar. Das ist einfach so, damit muss man leben, damit muss man lernen umzugehen. Egal ob das zu Beginn einer Tour passiert oder mitten drin, zu probieren ob es eventuell doch funktioniert, bringt nichts. Solche Tage sind abzuhaken und zu vergessen. Es gibt eben gute und weniger gute Tage und es ist nicht vorhersehbar wann welcher Tag sein wird.

Ein Brief wird aufgegeben, sonst nichts

Wie auch immer, kein Grund aufzugeben; aufgegeben wird ein Brief und sonst nichts! ImFrühling 2017 wird das Mountainbike ausgewintert und

der ParkinsonRider wird wieder im Wald anzutreffen sein …

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