Startup für’s Parki-Fitnessprogramm

Egal ob man nun pumperlg’sund, etwas angeschlagen oder gar ziemlich bedient sein Leben zubringen darf, man sollte darauf achten, den Umständen entsprechend, fit zu bleiben, beziehungsweise wieder fit zu werden.

Um das zu wissen brauchen wir wohl kaum einen g’studierten Expertenratschlag. Wie wir mit dieser Weisheit umgehen und ob wir sie überhaupt umsetzen wollen, ist eine persönliche Entscheidung. Das hängt stark davon ab, wieviel Freude ein Mensch mit Bewegung und gezieltem Training hat.

Macht’s keinen Spaß, wird’s auch nix

Man muss auch kein Experte sein um zu wissen, dass Erfolg und der Spaß am Weg dort hin, in direktem Zusammenhang stehen. Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, ich würde am gezielten Training mit einem Ergometer Rad Spaß haben und dann meine Trainingsleistungen auch noch analysieren, hätte ich diese Person gefragt, ob sie einen Knall hat.Heute macht mir das Ergometer Training richtig Spaß. Ob der Grund dafür im veränderten Verhalten aufgrund meiner Parkinson Erkrankung zu finden ist, oder ob das etwas mit dem fortschreitenden Alter zu tun hat, kann ich nicht sagen. Ich denke es wird sich um einen Mix aus beidem handeln.

Langer Rede, kurzer Sinn. Wenn ich nicht täglich mindestens 30 Minuten auf meinem "Parkimeter" strample, fehlt mir was. Weshalb macht mir die Radlerei, die mich nicht einmal von A nach B bringt, Spaß?

Ganz einfach; ich merke, dass mir diese Art der Bewegung richtig gut tut. Ich kann mich anschließend nicht nur viel g’schmeidiger bewegen, ich kann auch wesentlich entspannter und länger sitzen und meiner Arbeit als Schreiberling nachkommen. Wenn dann nach 2 bis 3 Stunden einige parkinson’sche Macken ihren Einwand gegen mein entspanntes Sitzen bekunden, geht’s entweder wieder auf’s Parkimeter oder ich unternehme einen Power Walk, den ich gleich mit Einkäufen verbinde.

Parki und Power Walk, ganz was Neues

Ja, es stimmt, ich mochte diese Walkerei eigentlich noch nie, weil ich für mich persönlich keinen Sinn daran erkennen konnte. Jetzt macht es Sinn, weil es sich dabei sozusagen um eine wirkungsvolle Waffe gegen Parkinson handelt und mein allgemeines Wohlbefinden steigert. Ganz nebenbei, ich walke ohne Stöcke, denn diese Staberl waren mir schon in gesundem Zustand suspekt, also werde ich jetzt sicherlich nicht damit anfangen. Nein, ganz sicher nicht, nicht einmal für eine 12er-Kiste Petrus, Basta, ende der Stecken Diskussion!

Auch neu, gegen die Uhr und sich selbst

Für mich noch immer etwas rätselhaft, meine Freude daran gegen die Uhr zu strampeln und zu walken und dann auch noch alles zu dokumentieren. Irgendwie hab ich einen Narren daran gefressen, meine erbrachten Leistungen zu vergleichen und zu analysieren. Wohlgemerkt, ich matche mich nur mit mir selbst und vergleiche mich nicht mit anderen. Dieser Ehrgeiz hat mich zum Glück noch nicht befallen und wird es hoffentlich auch nie tun!

Verhältnis von Input zu Output

Bei Sparverträgen will jeder vernünftige Mensch ein bisserl mehr rausholen, als die Gesamtinvestition ausmachte und wenn alle Stricke reißen sollten, dann will man zumindest das wieder haben, was man reingesteckt hat. Im Leistungssport ist das nicht anders.

Kein F1-Fahrer wird am Limit trainieren weil er beabsichtigt nur 50% davon im Rennen zu geben.

Bei gesunden Menschen lässt sich der Wunsch des Gleichgewichts von Input und Output zwar nicht immer zu 100% erfüllen, aber man ist meistens nahe dran.

Ein Parkinson Patient wird nicht einmal an seinen besten Tagen die Trainingsleistung 1:1 umsetzen können, weil der eben nicht pumperlg’sund ist. Daran muss man sich gewöhnen, denn diese leistungsverringernden Faktoren lassen sich nicht schön- und schon gar nicht wegreden. Damit muss man einfach leben, auch wenn es anfänglich sehr schwer ist, sich mit diesem Manko abzufinden. Wer investiert schon gerne 100% mit dem Wissen sowieso nur 50% davon abrufen zu können? Aber im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor, mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von 30%, ist man als Parkinson Patient ein wahrer Wunderwuzzi. Es gibt sie nämlich, diese Tage an denen man nahe an die 100% Marke herankommt.

Dafür und für’s allgemeine Wohlbefinden lohnt es sich dann doch, ein bisserl mehr zu investieren, als man raus bekommen wird.

Jeder Mensch setzt sich Ziele

Wer morgens aufwacht und das Gefühl hat, der Welt einen Haxn ausreißen zu können, wird andere Ziele haben, als ein Mensch mit Beeinträchtigungen.

Ich mag zwar einer sein, der gerne gegen den Strom schwimmt, aber Realitätsverleugner bin ich deshalb keiner, auch wenn meine Ziel für manche Mitmenschen zu hoch gesteckt erscheinen und nicht nachvollziehbar sind.

Nicht um jeden Preis, aber konsequent

Ja, ich bestreite es nicht, in erster Linie mach ich diesen ganzen Zinnober mit Training, Workout und Trainingsanalysen, um wieder fit für’s Mountainbiken zu sein. Ich würde das alles nicht nur wegen des allgemeinen Wohlbefindens für’s tägliche Leben machen und ich gebe auch zu, mich manchmal zu fragen, „wieviel davon werde ich umsetzen können, werde ich bereits nach einer Runde aufgeben (müssen) oder wird’s so klappen wie ich mir das vorstelle und wünsche?“

Selbstverständlich ist mir auch sonnenklar, dass ich jetzt quasi in einer anderen Liga spiele und das was früher war, jetzt so gut wie keine Gültigkeit mehr hat und deshalb kommen manchmal auch kleinere Ängste auf. Nein, keine Versagensängste, sondern Angst davor, dass plötzlich der Spaß weg ist, weil’s nicht mehr so geht, wie ich es mir vorstelle. Aber es wäre nicht ich, würden mich derartige Gedanken aus der Bahn werfen.

Nicht um jeden Preis will ich über Trails heizen, aber konsequent trainieren tu ich, damit der ParkinsonRider wieder mit Spaß und Freude unterwegs sein kann …

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