Never Ending Story?

Ja ich weiß, sie wird langweilig, die ewige Medikamenten Raunzerei. Aber irgendwie finde ich das Ganze langsam aber sicher zum Sch***** und allein deshalb gehört es ins Tagebuch.

Erkrankung – Medikamente – Wirkung – Nebenwirkung

Das scheinen die Zutaten für den Stoff dieser unendlichen(?) Geschichte zu sein. Hoffentlich nicht, denn in diesem Fall würde es eine Kurzgeschichte auch tun. Auf die lange Version dieser Geschichte kann ich problemlos verzichten. Außerdem wäre es fein endlich zu wissen, ob es sich bei einer Macke um ein Krankheitssymptom handelt, oder um ein Symptom, ausgelöst durch ein bestimmtes Medikament.

Ehrlich, das alles brauche ich genau so wenig wie einen fetten Pickel auf der Nasenspitze!

Nicht gerade einfach

Damit meine ich nicht den Umgang mit der Krankheit selbst, sondern viel mehr das Prozedere der so genannten Einstellung. Vor knapp einem Jahr wurde mit meiner Behandlung begonnen.

Obwohl meine behandelnde Ärztin mein vollstes Vertrauen genießt, werde ich das Gefühl nicht los, dass die ganze Einstellungsphase eine Art Glücksspiel ist. Wenn der Patient Glück hat, dann wird ziemlich rasch das für ihn passende Medikament gefunden.

Weil Parkinson quasi eine Krankheit mit vielen Gesichtern ist, ist die Wahrscheinlichkeit, das passende Medikament nicht auf Anhieb zu finden, ziemlich hoch. Ich vergleiche diese Einstellerei gerne mit „Lotto 6 aus 45“, weil es in beiden Fällen unzählige Kombinationsmöglichkeiten gibt, aber nur eine die passt und eine weitere Ähnlichkeit ist zu erkennen, – wenn es nicht geklappt hat, muss man eine andere Kombination ausprobieren.

Worte wie "probieren" oder "schauen wir Mal ob das besser ist", finde ich zwar nicht wirklich vertrauenserweckend, aber da sie zum "Parkinson - Behandlungsspiel" dazu gehören, versuche ich mich damit zu arrangieren.

Ich glaub ich bin am Jahrmarkt

Zeitweise komme ich mir tatsächlich wie am Jahrmarkt vor, denn bei Medikamenten gibt es quasi nichts ohne Zusatzkauf. Positive Wirkung eines Medikaments ohne Nebenwirkung(en), das gibt es einfach nicht! O. k., das ist so, dagegen kann man einfach nichts machen. Aber welche Unannehmlichkeiten akzeptiere ich jetzt, dafür dass es mir insgesamt (ein wenig) besser geht?

Irgendwann reicht es

Sifrol, mein Lieblingsfeindbild, eine Retard Tablette. Dieses Zeug wirkt 24 Stunden und wird immer morgens eingeworfen. Prinzipiell ein sehr gutes Medikament, weil es einfach ausgedrückt dafür sorgt, dass wieder Dopamin produziert wird. Die ersten 14 Tage merkte ich nichts von irgendwelchen Wirkungen oder Nebenwirkungen, was aber normal ist, denn dieses Zeug hat eine Anlaufphase.

Als dieses Medikament dann endlich zu wirken begann, waren es eher meine Mitmenschen, denen die positive Wirkung aufgefallen ist. Augenscheinlich bin ich ja auch wirklich wieder in einem sehr guten Zustand. Die unangenehmen Begleiterscheinungen sind ja mehr oder weniger nicht zu sehen, dafür kann ich sie umso mehr spüren.

Das Match der Nebenwirkungen

Unangefochten in Führung, Schlafattacken vom „Feinsten“. Anfangs war es nur Müdigkeit nach körperlichen Anstrengungen, was weiter nicht so schlimm war. Ein kurzes Nickerchen und alles war wieder gut. Diese Schlafgeschichte ist in der Zwischenzeit so weit fortgeschritten, dass ich regelrecht mit mir zu kämpfen habe, bei einer Fußgängerampel die rot zeigt, nicht einzuschlafen.

Bei jeder Gelegenheit einzuschlafen ist anscheinend nicht genug, daher wurde ich auch noch extrem wärmeempfindlich. Ohne mich anzustrengen beginne ich bereits bei 15 °C zu schwitzen und weil schwitzen alleine etwas langweilig wäre, werden Schwindelgefühle werden gratis mitgeliefert.

Wasser in den Beinen, dass kannte ich nur vom Hörensagen. Jetzt weiß ich endlich wie sich das anfühlt. Das alleine wäre ja wieder zu langweilig, daher gab’s gleich Gelenksschmerzen und Juckreiz mit dazu.

Jetzt hätte ich es fast vergessen, weil ich persönlich es genau genommen nicht merke, beziehungsweise erst dann, wenn ich darauf hingewiesen wurde. Ich war zwar immer ein ordnungsliebender Mensch, Aber mit Sicherheit nicht penibel. Dafür bin ich jetzt manisch penibel.

Auch mein Einkaufsverhalten hat sich zum Negativen geändert. Ich neige jetzt dazu Geld für Unnötiges auszugeben und würde ich nicht darauf hingewiesen werden, stünden Hamsterkäufe ebenfalls auf der Tagesordnung.

Weshalb ich weiß, dass es sich um Nebenwirkungen des Medikaments handelt?All diese negativen Eigenschaften und Auswirkungen hatte ich vor der Einnahme von Sifrol nicht. Quasi als Bestätigung meiner vorangegangenen Aussage ist das alles sogar im Beipacktext angeführt, mit einer Häufigkeit die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Raunzen hilft allerdings nichts

Vollkommen richtig, raunzen hilft absolut nichts, daher habe ich einen Kontrolltermin für den 22. März vereinbart. Ich hoffe es findet sich ein vernünftiges Ersatz Medikament mit akzeptablen Nebenwirkungen. Nicht dass ich anstatt Wasser in den Beinen plötzlich eine dritte Arschbacke kriege.

Eventuell fragen sich jetzt einige von euch weshalb dieses Medikament überhaupt verschrieben wird, obwohl alle genannten Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit bekannt sind?!?

Ich weiß es nicht, vermute aber, der Grund könnte der günstige Preis zu sein. der erheblich unter jenem vieler Mitbewerber Produkte liegt.
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